Bannerjpg

Erinnerung an den Kreis Mogilno

Will man den Kreis Mogilno so beschreiben wie er in Erinnerung geblieben ist, muss man auf die Aufzeichnungen eines landeskundigen Berichterstatters zurückgreifen. Für den Kreis Mogilno ist hiermit an erster Stelle Max Großert zu nennen, geboren 1907 in Kirchen-Popowo (Popowo-Kościelne), Kreis Wongrowitz. Er besuchte die Gymnasien in Kolmar und Gnesen, war seit 1927 als Lehrer u.a. in Rosenau, Kreis Mogilno tätig. Er ist Verfasser der „Geschichte des Deutschtums in Jastrzębowo (Rosenau) und Umgebung“ welche in der Schriftenreihe: „Unsere Heimat, Volkstümliche Schriftenreihe zur Förderung der deutschen Heimatbildung und Familienüberlieferung in Polen“ im Jahre 1938 veröffentlicht wurde. 1939 entging er knapp, jedoch schwer verletzt, polnischem Terror. Er verarbeitete sein persönliches Schicksal in einem Aufsatz über die „Erlebnisse einer Brille“ [1]. Leider wurde Verfasser dieses Aufsatzes bereits 1959 ganz plötzlich und unerwartet im Alter von erst 52 Jahren aus seinem arbeitsreichen Leben gerissen. Da er als einer von Wenigen wertvolle heimatkundliche Beiträge über den Kreis Mogilno verfasste, bedeutete sein Tod einen schweren und unersetzlichen Verlust für unseren Heimatkreis.

Die nachfolgende Beschreibung des Kreises Mogilno wurde bereits 1958 veröffentlicht. Bestimmte Beschreibungen und Formulierungen sind daher nicht mit den Augen der Gegenwart zu betrachteten, sondern aus der Situation der Zeit seiner Entstehung zu verstehen. Dies wird auch deutlich sichtbar an der Wahl der Ortsnamen. Dieser Bericht über den Kreis Mogilno wurde aber bewusst ausgewählt, um die Stimmung dieser Erinnerung an die verlorene Heimat zu erhalten:

Einen chronologischen Überblick zur Geschichte des Kreises finden Sie: hier

Eine Zusammenstellung der evangelischen Kirchengemeinden ( Kirchspiele ) des
Kirchenkreises Mogilno finden Sie: hier

Ein Ortsnamenverzeichnis des Kreises mit dem Strelnoer Kreisteil, der 1939/45 dem Kreis Mogilno angehörte und dem Ergebnis der Volkszählung von 1910 finden Sie: hier

Erinnerungen an den Kreis Mogilno von Max Großert

Fährt man mit der Eisenbahn von Posen nach Hohensalza durch die waldige, von zahlreichen blinkenden Seen unterbrochene reizvolle Endmoränenlandschaft, fallen einem die zahlreichen Dome auf, die trotzig in sicherer Umgebung unseren Weg augenfällig begleiten. Posen, Gnesen, Tremesssen und Mogilno sind die Standorte dieser wuchtigen, prächtigen Gotteshäuser, die auf eine tausendjährige, wechselvolle Vergangenheit zurückblicken können.

Zwischen Gnesen und Hohensalza liegt nun der Kreis Mogilno, der in diesem Raum eine besondere Schlüsselstellung einnimmt. Während der Westen des Kreises landschaftlich zur Gnesener Seenplatte gehört, wird der Osten desselben schon von der fast baumlosen kujawischen Hochfläche eingenommen. Es ist eine ausgesprochen ebene Landschaft, die von Westen nach Osten wellenartig verläuft und nur in ihrer Südwesthälfte die 100 m Grenze wenig übersteigt.

Der Kreis Mogilno hat im Laufe seines Daseins mehrfach die Flächengröße und Bevölkerungszahl geändert. Er reichte einst von Altstriesen im Kreis Gnesen bis Grünholm (Chelmce) im Kreis Hohensalza und bestand 1921 aus den beiden Kreisen Mogilno und Strelno, die in der Mitte der dreißiger Jahre zusammengelegt wurden, wovon der erstere 733 qkm groß war und 50 040 Einwohner zählte, davon wieder 20,7 v.H. Deutsche, der zweite 615 qkm Fläche hatte und 39 921 Einwohner mit 10,1 v.H. Deutschen aufwies. Durch die Abtrennung der Kruschwitzer Ecke an den Kreis Hohensalza und weniger Dörfer mit Altstriesen an den Kreis Gnesen verlor Mogilno 288 qkm Bodenfläche, so dass er 1942 eine Bevölkerung von 66 800 hatte und 1060 qkm groß war. Nach dem Güteradressbuch der Wojewodschaft Posen vom Jahre 1926 waren im Jahre 1921 im alten Kreis Mogilno von den Wirtschaften über 50 ha, 34,4 v.H., im ehemaligen Kreis Strelno sogar 40,7 v.H. in deutscher Hand. Zum Vergleich für die gesamte Wojewodschaft Posen die Zahlen: von 2568 Gütern mit 1071 957 ha waren in deutscher Hand 1051 (= 40,9 v.H.) mit 389 479 ha (=36,2 v.H.)

Auf der Mitte der Posen-Thorner Eisenbahnlinie zwischen Gnesen und Hohensalza liegt die 5100 Einwohner zählende Kreisstadt Mogilno, ein wichtiger Eisenbahn- und Straßenkreuzungspunkt. Von hier aus führen Bahnlinien über Strelno, Kruschwitz nach Hohensalza, dann nach Bartelstein (Bartschin) und über Gembitz nach Orchheim sowie Straßen nach Gnesen und über Strelno, Kruschwitz nach Hohensalza, nach Bartelstein und Pakosch, nach Orchheim und nach Hochdorf.

Der Ursprung der Stadt Mogilno geht auf das am 11.4.1065 gegründete Benediktinerkloster zurück, das von allen bis Anfang des 19. Jahrhunderts im Lande erhalten gebliebene Klöstern das älteste sein dürfte. Die Klosterbrüder kamen hauptsächlich aus dem Westen. Sie waren nicht nur eifrig in der Ausbreitung und Pflege des Christentums, sondern auch gleichzeitig tüchtige Bebauer der fast gänzlich ungenutzten Ackerböden und der fruchtbare kujawische Boden hat ihren Fleiß und ihre Mühe reichlich gelohnt. Durch Privilegien, Schenkungen, Steuererlasse u.a. wuchs das Kloster darüber hinaus an Reichtum und Ansehen. Die Mönche hatten weitere Güter in Kujawien, Pommern, ja sogar in Danzig. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts (vor 1366) legten die Mönche von Mogilno an der Stätte ihres Klosters eine dörfliche Siedlung nach deutschem Muster an, deren Schulze urkundlich Albrecht, der Pfarrer Lorenz hieß. Diese Siedlung hieß wie das Kloster Mogilno. Dank dem Vorbilde der Mönche und dem Fleiße der Siedler standen am Ende des Jahrhunderts in Mogilno schon zwei Kirchen.

Am 17. Mai 1398 verlieh König Wladislaus Jagiello Mogilno das Stadtrecht. Jetzt wurde nördlich des Dorfes ein langgestreckter Marktplatz angelegt, ein Rathaus gebaut, Fleischerscharren, Brotbänke und Krambuden errichtet. Die neue Stadt umgab Plankenwerk, das durch zwei Tore unterbrochen war. Bürgermeister und Ratsherren verwalteten die neue Stadt nach deutschem Rechte. Die Rechtsprechung erfolgte durch einen Vogt und durch Schöffen. Er hatte eine hervorragende Stellung in der Bürgerschaft und überall, wo er mit anderen Stadtbehörden zusammen in Urkunden erscheint, steht sein Name immer an erster Stelle. Von der bisher durch polnische Beamte geübten Gerichtsbarkeit wurde die Stadt vollkommen befreit, auch der Blutbann von den bürgerlichen deutschen Behörden selbstständig gehandhabt. Da die Stadt eine große Ackerflur erhielt, bestand der größte Teil der städtischen Bevölkerung aus Ackerbürgern, Handwerker und Kaufleute gehörten Zünften an. Kürschner und Schuhmacher waren unter den Handwerkern gut vertreten. Ihre Zunftordnung stammt für die Kürschner aus dem Jahre 1600, für die Schuhmacher aus 1649. An jedem Sonnabend fand ein Wochenmarkt statt. In ihrer Selbständigkeit war die Stadt jedoch dadurch beschränkt, daß sie dem Abt und dem Konvent unterstand.

In den ersten Jahrhunderten ihres Bestehens ist über Mogilno wenig bekannt. So brauchte sie zum Entsatz der Marienburg 1456 nur 2 Soldaten stellen, während z.B. Kriewen und Tremessen zur Stellung von je 10 Söldnern verpflichtet waren. Nach vorhandenem Taufregister zählte die Stadt im 16.Jahrhundert rund 800 Seelen. 1588 hatte Mogilno schon einen „Chirugus“ namens Matthias. Zum Kloster gehörten außer der Stadt 1580 noch 12 Dörfer, nämlich Wiecanowo, Olsza, Chabsko, Strzelce, Wszedzin, Izdby, Zabno, Bystrzyce, Padniewo, Wojcin, Gay und Nowawies.

Am 18. November 1609 erhielt die Stadt ein neues Privileg, durch welches die Verpflichtungen der Bürger gegenüber dem Kloster neu geregelt wurden. Die Rechte des Abtes an der Stadt gingen 1612 erstmalig auf einen Burggrafen über. Um 1650 begann wie für das ganze Land auch für Mogilno eine traurige Zeit. Am 1. Juni 1655 trug der damalige Pfarrer von Mogilno in das von ihm geführte Kirchenbuch die bedeutungsvollen Worte ein: „Ankunft der Schweden in Polen“. Raub und Mord waren auch über diese Stadt gekommen. Die Einwohnerzahl sank auf 290, das Dorf Habsberg wurde völlig zerstört. Als schließlich am Anfang des 18. Jahrhunderts auch die Stadt von der Pest heimgesucht wurde, fiel ein weiteres Drittel der Bevölkerung dieser gefürchteten Seuche zum Opfer.

Eine fürsorgliche Grundherrschaft und eine starke Staatsgewalt hätten die schwer heimgesuchte Stadt wohl wieder hochbringen können. Das Kloster aber war verarmt, und von dem in völliger Auflösung begriffenen polnischen Staate war weder Hilfe noch Schutz zu erwarten. Erst als der große Preußenkönig Friedrich II. es 1774 in seinen Besitz nahm, konnte Mogilno wieder günstiger in die Zukunft schauen. Die Klostergüter wurden als Dömänen eingezogen. Abt und Mönche durch Geld entschädigt. Die Rechtspflege ging auf einen Justizbürgermeister über. 1785/86 beliefen sich die Einnahmen der Stadt auf 128, die Ausgaben auf 109 Taler.

In der Nacht zum 15. April 1777 vernichtete ein Feuer 30 Häuser am Markt, außerdem das Rathaus. Die neu erbauten Häuser erhielten feste Bedachungen. Tüchtige Handwerker wurden in die Stadt gezogen und da sie durchweg Protestanten waren, baute man ihnen 1796 ein evangelisches Gotteshaus. Um 1800 wurde auch die erste Schule in Mogilno erbaut. Am 30.September 1808 vernichtete wiederum ein Großfeuer 89 Häuser. Die wieder einsetzende rege Bautätigkeit wurde staatlicherseits fleißig gefördert. 1883 wurde das Kloster aufgehoben. Am 19 November 1859 konnte die evangelische Kirchengemeinde Mogilno dort, wo einst das Rathaus stand, ihr eigenes Gotteshaus weihen[1]. Mogilno wurde um diese Zeit Kreisstadt. 1871 erhielt die Stadt Gleisanschluß an die Bahn Posen-Bromberg, 1892 wurde die Eisenbahnstrecke Mogilno-Strelno eröffnet.

Als 1886 die Preußische Ansiedlungskommission um Mogilno einen dichten Kranz deutscher Dörfer anzulegen begann, was übrigens durch die eifrige Tätigkeit des polnischen Probstes Wawrzyniak zu scharfen, erfolgreichen Gegenmaßnahmen führte, blühte die Stadt sichtlich auf. Die Spar-und Darlehnskasse und der Landwirtschaftliche Absatzverein wurden eingerichtet und erfreuten sich eines guten Zuspruchs. In der Zeit 1816 bis 1920 stieg die Einwohnerzahl von Mogilnos von 586 aus 4171. Um 1900 zählte die Stadt fünfzehn Vereine und fünf Innungen. Dampfmühle, Brennerei, Sägewerk, Molkerei, Maschinenfabrik und Buchdruckerei entstanden gleichfalls um die Jahrhundertwende. Führende Geschäfte und mustergültige Handwerksbetriebe waren in deutscher Hand. Anlagen am See von eigenartiger Schönheit und eine prächtige Verbindungstraße zwischen den beiden gleichlaufenden Wegen sind Zeugen deutschen Ordnungssinnes.

 

Wie entwickelte sich nun das Land im Kreise Mogilno? Von der ersten Landnahme durch unsere Vorfahren wissen wir nur die Ortsnamen und den Zeitpunkt der Gründung. So entstanden nach deutschem Recht im 13. eine und im 14.Jahrhundert 26 Ortschaften, darunter Olscha 1311, Gernrode (Lubin) 1348, Wielatowen 1239, Groß-Slawsk 1312 (1316?) Weißensee 1314, Xionz 1314, Mühlgrund 1361 und Scharfenberg 1363. Der von der Ansiedlung herrührende deutsche Anteil an der Bevölkerung ist infolge der inselhaften Ansetzung und des gemeinsamen Glaubens im Strudel des fremden Volkstums untergegangen.

Wesentlich vorteilhafter für die Festigung des deutschen Volkstums war die zweite Siedlungswelle vom 16. bis 18.Jahrhundert, die praktisch bis zur Vertreibung 1945 ihr Dasein behaupten konnte. Dabei sind zwei Siedlungsformen zu unterscheiden: die Schulzendörfer[2] und die Holländereien[3]. Von den ersteren erwähne ich mit der Gründungszeit u.a. folgende Falkenhain 24.2.1728, Grünhof 10.3.1746 (beide Ortsteile führten ab 1.1.1891 den gemeinsamen Namen Rosenau), Buchfelde 3.2.1756, Friedrichsfelde 24.4.1762 und Seehorst (Trlong) 11.1.1755.

Von den Holländerreien nennt W.Maas im Kreise Mogilno und Strelno 36 solcher Dorfanlagen. Wesentliche Wirkung erfuhr das Deutschtum im Kreise Mogilno durch die Ansetzung schwäbischer Bauern in den Dörfern um die frühere Kreisstadt Strelno. Solche Schwabendörfer waren Deutschrode, Weißensee, Parlinek, Liliendorf, Blumendorf, Mühlgrund, Ruhenau, Sierakowo, Groß-Kruscha, Ruhheim u.a. ferner Klein Slawsk, Kaisershöh und Kaisersthal. Als erstes Schwabendorf der dortigen Gegend konnte Stodoly Kolonie zu Ehren des großen Königs den deutschen Namen Königsbrunn führen. Der alte Ort Stodoly Dorf wurde gegensätzlich im Volksmund als polnisch bezeichnet.

Bedeutungsvoll war auch die Ansetzung deutscher Ansiedler in den Jahren von 1886 bis etwa zum 1. Weltkriege[4]. Allerdings wurden von den tausend Ansiedlerfamilien im Kreise 33 Siedlerstellen nach dem 1. Weltkrieg für nichtig erklärt. 333 weitere Familien verkauften freiwillig ihre Stellen, aber etwa 334 Familien hielten der neuen Heimat die Treue und belebten wesentlich das wirtschaftliche und völkische Gepräge im Kreise. Der Kreis Mogilno hatte 18 Ansiedlungen, von denen Drehheim, Altraden, Rehfelde und Schetzingen die größten waren. In den Jahren 1939-1945 kamen noch Reichsdeutsche, Umsiedler aus dem Baltikum, Bessarabien, aus den Gebieten am Schwarzen Meer in das Wartheland und somit in den Kreis Mogilno.

Außer Mogilno sind noch die Städte Tremessen, Strelno und Pakosch zu nennen. Tremessen mit seinen rund 5000 Einwohnern war Sitz eines Amtsgerichts. In den Jahren 1773-76 errichteten die Augustiner Chorherren für 12 arme Schüler, adligen Standes ein Alumnat und gründeten eine Schule, die 1815 von der preußischen Regierung als Chorschule übernommen, 1833 zum Progymnasium, 1839 durch Eröffnung der Prima zum Vollgymnasium ausgestaltet wurde und seit 1836 mit einem Alumnat für katholische Theologen verbunden war.. Diese Anstalt besuchten spätere führende polnische Persönlichkeiten wie der Führer der Aufständischen in Oberschlesien Korfanty.

Tremessen hatte auch ein Kloster, das von dem Bischof Adalbert von Prag gegründet wurde, der hier zunächst beigesetzt wurde, ehe er im Gnesener Dom die endgültige Ruhestätte fand. Bei den Aufständen 1845/1848 kam es in Tremessen zu blutigen Tumulten. Der Hauptführer der Aufständischen war der Grundbesitzer Adolf von Malczewski auf dem nahen Kruchowo (Bruchfelde), der ihnen Unterschlupf gewährte und sie mit Sensen und Waffen versah. Als das preußische Militär, die geheime Zentrale der Aufständischen aufdeckte, floh Malczewski. Ludwig Heymann, ein Besitzer aus Grünhof – Ortsteil von Rosenau – rettete Malczewski in einer Dunggrube vor den preußischen Soldaten. Aus Dankbarkeit erhielt er später vom Gutsherren von Malczewski zwei Falben.

Als Tremessen am 10 September 1939 von deutschen Truppen eingenommen wurden, fanden sieben Soldaten durch polnische Zivilisten einen meist grausamen Tod. Nach dem Polenfeldzug entwickelte sich die Stadt zusehends vor allem die Stärkefabrik. Die drei Möbelfabriken u.a. Betriebe. Um das Wohl der Stadt machten sich die beiden Bürgermeister Seel und Bernady besonders verdient.

Auch Strelno, in fruchtbarer Gegend gelegen, ist eine Stadt von etwa 5000 Einwohner. In dieser Stadt vermählte sich Albrecht der Bär mit einer Prinzessin aus dem Piastenstamm. Zu Strelno gehörte ein Prämonstratenser Nonnenkloster, aus dessen Besitzungen das Domänenamt Strelno entstand. Dieser Ort ist die Geburtsstadt des gelehrten Albert Abraham Michelson (1853). Er starb 1929 als Professor an der Universität in Chicago. 1907 erhielt er den Nobelpreis für Physik.

Unweit von Strelno befindet sich das Gut Markowitz, wo am 22.Dezember 1848 der bedeutendste Philologe des vorigen Jahrhunderts, Ulrich von Wilamowitz-Moellendorf, geboren wurde. Er war Professor an der Universtät in Berlin, ein Gelehrter von gewaltiger Bildung, vor allem auf dem Gebiete der Altsprachen. Seiner Heimat Kujawien widmete er in seinen Erinnerungen anerkennende Worte. Er versuchte stets, das deutsch-polnische Verhältnis in das rechte Licht zu rücken. Trotzdem wurden nach seiner Zeit dort in den Septembertagen 1939 neun deutsche Soldaten von polnischen Zivilisten heimtückisch umgebracht und einer schwer verwundet.

Schließlich ist noch Pakosch, ein Städtchen mit einer Zuckerfabrik zu nennen. Nach 1939 wurde von Lodzer Großindustriellen in der stillgelegten Zuckerfabrik eine Großanlage für Flachsverarbeitung eingerichtet, die nach einem abgekürzten neuen Verfahren arbeitete. Diese Stadt besaß schon 1450 eine Schule, die bis zu den unruhigen Zeiten des 17. Jahrhunderts bestand. Die Lehrkräfte für diese Schule mit höherer Bildung stellte das seit 1631 in Pakosch bestehende Kloster der Reformanten, eines Zweiges des Franziskanerordens. Diese „Akademie“ genannte Schule bereitete für die Universität vor und vermittelte für bestimmte Berufe eine abgeschlossene Bildung.

Wie Usch an der Netze, die einstige Residenz des Förderers deutscher Siedlung im Mittelalter, Wladislaus Odonicz (Ottosohn), seinen Kalvarienberg hat, so ist Pakosch mit seinen 22 Kapellen ein beliebter Wallfahrtsort für nah und fern. Im 17 Jahrhundert hat Pakosch allerdings eine traurige Berühmtheit erlangt. Als das zügellose Heer des polnischen Feldherrn Czarniecki im Frühjahr 1656 das von den Schweden besetzte Großpolen wieder zu erobern versuchte, wurden in Pakosch nach Kempff “Was das Posener Land erzählt“ 374 Juden (Männer, Frauen und Kinder) scheußlich gemartert und erschlagen. Nur wenige konnten sich rechtzeitig unter Zurücklassung ihrer Habe retten. Gegenüber der Kapelle Gethsemane will man das gemeinsame Grab nachweisen können. Lange wurde die Stadt, aber auch „der heilige Weg“ an den zahlreichen Kapellen vorbei zum Kalvarienberg von den Juden streng gemieden.

Das ist in großen Zügen die Geschichte des Kreises Mogilno. Sinn und Zweck dieser Zeilen ist es, das Heimatgefühl auch nach so langer Abwesenheit in der Fremde zu stärken.                                                                                                           Rohstorf 1958